Kuba setzt auf Erneuerbare Energien



Sonne hat es reichlich. Der Wind bläst im Osten der Insel und Biomasse ist durch den Zuckeranbau reichlich vorhanden. Warum also nicht die Energiematrix verändern. Kuba will bis 2015 bis zu 25 Prozent seiner Energieerzeugung durch  Erneuerbare Energien sicherstellen.

 

Ausgewählte Projekte der Elektrizitätswirtschaft 

 
Zuckerindustrie als Basis für Bioenergieprojekte

Die kubanische Zuckerindustrie ist nach dem Ende der Sowjetunion stark geschrumpft, konnte in den vergangenenJahren ihre Produktion aber wieder leicht steigern. Da die anfallende Bagasse ein idealer Ausgangsstoff für die Stromerzeugung ist, soll die Erzeugungskapazität in den kommenden Jahren in 19 der rund 50 im Betrieb befindlichen Zuckerfabriken erhöht werden. Drei Projekte sind bereits vergeben. Je nach Anlage liegt die angestrebte Kapazität bei 15 bis 60 MW.

Einer Beispielrechnung von Azcuba, der staatlichen Unternehmensgruppe der Zuckerindustrie, zufolge benötigt eine 60-MW-Anlage Investitionen von 120 Mio. USD. Die momentan installierte Gesamtkapazität von rund 500 MW ist veraltet und reicht nicht aus, um die Fabriken selber komplett mit Strom zu versorgen, geschweige denn, Überschüsse ins nationale Netz einzuspeisen.

Bei dem geplanten Ausbau kann sowohl die Verbrennung der Bagasse mit anschließendem Betrieb einer Dampfturbine als auch die anaerobe Vergärung zum Einsatz kommen, bei der Biogas gewonnen und anschließend in einer Gasturbine verstromt wird. Da die Zuckerrohrbagasse nur in der Hälfte des Jahres anfällt, soll in der restlichen Zeit Biomasse des Marabú-Baumes genutzt werden, der in Kuba weit verbreitet ist und als Schädling gilt.

 

Biomasse-Projekte

Das Energieministerium strebt an, dass die Zuckerfabriken im Schnitt zwei Drittel des erzeugten Stroms ins nationale Netz einspeisen. Dazu müssen die Bioenergieanlagen mit moderner Technik wie Hochdruckkesseln, Turbogeneratoren, effizienten Dampfturbinen, Wärmetauschern und Wärmerückgewinnung ausgestattet sein.

 

Ausbau von Photovoltaik und Windkraft

Nach Aussagen des Energieministeriums MINEM sind für den Ausbau der Solarstromerzeugung vorwiegend kleinere Parks mit bis zu 10 MW an installierter Leistung vorgesehen. Dadurch könne die Generierung über die verschiedenen   

Landesteile gestreut und das Netz sicherer gegen Überspannung und Stromausfälle gemacht werden. In der aktuellen Liste der Investitionsmöglichkeiten in Kuba (Cartera de Opportunidades) macht der Stromversorger UNE zwei Projektvorschläge: die Installation von bis zu 100 MW aufgeteilt auf mehrere Standorte innerhalb des Landes sowie mehrere Vorhaben in der Sonderwirtschaftszone Mariel. Ein Teil der Projekte wurde wahrscheinlich bereits im Februar 2016 vergeben, als UNE einen Vertrag mit dem chinesischen Konzern AVIC abschloß.

 

Windparkprojekte

Innerhalb des Solarmarktes ist das Hotelgewerbe ein besonders interessanter Absatzmarkt. Studien zufolge können Hotels, die in den sonnenintensiven Küstenregionen liegen, genügend Elektrizität für den Eigenbedarf generieren und überschüssigen Strom ins nationale Netz einspeisen. Für Herbergen, die nicht an das nationale Stromnetz angeschlossen sind, ist es von Interesse, PV-Zellen zu installieren und so den Gebrauch von Dieselgeneratoren zu ersetzen oder einzuschränken. Die Stromproduktion der Hotels kann über das Schema der Eigenversorgung betrieben werden, wie es heute schon in der Zuckerindustrie und im Bergbau Anwendung findet.

Im Windenergiebereich werden zurzeit die ersten neuen Projekte vergeben. Anfang September 2016 wurde bekannt, dass der spanische Konzern Gamesa die Generatoren für sieben Parks im Osten des Landes liefern wird.

Das Energieministerium will acht weitere Projekte ausschreiben, genauere Informationen sollen im Rahmen der Industriemesse Fihav im November erfolgen. Bislang verfügt Kuba über vier Windparks mit einer installierten Leistung von insgesamt lediglich 11,7 MW.